Moralisches Dilemma

Rosa zu ihrer Mama: “Eine Mücke darf man doch nicht töten, wenn sie einem nichts getan hat oder?”

Mama: “Ach was, einfach drauf hauen. Dann ist sie weg.”

Diese Form der “Dilemma-Geschichte” kenne ich aus meiner Ausbildung zum Pädagogiklehrer, sie waren Teil meiner Examensarbeit. Lawrence Kohlberg hat diesen Begriff geprägt und versucht, mit ihnen die Moralentwicklung im Kindesalter zu untersuchen. Als bekanntestes Beispiel ging das sogenannte “Heinz-Dilemma” in die Literatur ein:

Eine Frau, die an einer besonderen Krebsart erkrankt war, lag im Sterben. Es gab eine Medizin, von der die Ärzte glaubten, sie könne die Frau retten. Es handelte sich um eine besondere Form von Radium, die ein Apotheker in der gleichen Stadt erst kürzlich entdeckt hatte. Die Herstellung war teuer, doch der Apotheker verlangte zehnmal mehr dafür, als ihn die Produktion gekostet hatte. Er hatte 2000 Dollar für das Radium bezahlt und verlangte 20000 Dollar für eine kleine Dosis des Medikaments.
 
Heinz, der Ehemann der kranken Frau, suchte alle seine Bekannten auf, um sich das Geld auszuleihen, und er bemühte sich auch um eine Unterstützung durch die Behörden. Doch er bekam nur 10000 Dollar zusammen, also die Hälfte des verlangten Preises.
 
Er erzählte dem Apotheker, daß seine Frau im Sterben lag, und bat, ihm die Medizin billiger zu verkaufen bzw. ihn den Rest später bezahlen zu lassen. Doch der Apotheker sagte: “Nein, ich habe das Mittel entdeckt, und ich will damit viel Geld verdienen.” Heinz hat nun alle legalen Möglichkeiten erschöpft; er ist ganz verzweifelt und überlegt, ob er in die Apotheke einbrechen und das Medikament für seine Frau stehlen soll.

Sollte Heinz das Medikament stehlen oder nicht?

Quelle: stangl-taller.at

Im Prinzip ging es gestern Abend in einem TV-Experiment – ein Mensch befindet sich in einem schrecklichen moralischen Dilemma und muss entscheiden.
Doch der Fall ist für Erwachsene konstruiert und entsprechend komplexer zu betrachten.

Nur eines ist und bleibt gleich:

Stelle ich mich gegen das Gesetz, oder nicht?

Darf man 164 Menschen töten, um 70.000 zu retten? Das Gericht steht vor einer schweren Entscheidung. Durfte der Kampfpilot Lars Koch eine Passagiermaschine abschießen, um zu verhindern, dass ein Terrorist das Flugzeug in ein vollbesetztes Fußballstadion stürzen lässt? Weil es keinen Befehl gab und er sich eigenmächtig über geltendes Recht hinwegsetzte, muss sich der 31-Jährige jetzt verantworten. Für den Familienvater ist klar, dass er als Soldat im Kampf gegen den Terrorismus nicht anders handeln konnte.

Das war ein spannender Film und eine interessante Diskussion. Und – das verwundert kaum – auch bei uns auf dem Sofa kommen wir zu unterschiedlichen Urteilen. Ganz Deutschland hat gestern Abend diskutiert und ist zu einem Ergebnis gekommen:

terror-ihr-urteil-hart-aber-fair-abstimmung-ergebnis

Wie habt ihr entschieden?

Toll gemacht ist die Idee, das Ende des Films in zwei Versionen zu drehen: je nachdem, wie sich die Zuschauer im Theater, Kino oder gestern Abend vor dem Fernseher entschieden haben, wurde das passende Ende gezeigt.

Holger und ich sind nach der Urteilsverkündung schnell zum Rechner gelaufen mit der gespannten Frage: wie wird wohl das alternative Ende, also wie wird der Schuldspruch wohl begründet?!

Hier könnt ihr die weltweiten Abstimmungsergebnisse der Theatervorstellungen ansehen.

Das war sehr interessant, und wenn man es nicht gesehen hat, hat man etwas verpasst.

Wenn jemand den Film incl. der beiden Enden und/oder auch die anschließende Diskussionsrunde bei Hart aber Fair von mir ausleihen möchte, melde sich einfach bei mir.
Für die Schule habe ich bereits eine DVD gebrannt, die ich den Pädagogik-KollegInnen zur Verfügung stellen werde.

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Und wer nun neugierig geworden ist,
der kann sich diesen Nachrichten-Beitrag mit Hintergrundinfos schon einmal ansehen:

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